[de] Bundesschallschutzprogramm

Lärm ist eine sehr subjektive Sache – auch wenn wir versuchen, Standards zu definieren, wie wir mit unliebsamen Geräuschen umgehen wollen. Doch was für die einen störender Lärm ist, ist für die anderen vielleicht eine verzückende Schalldusche mit Gänsehaut-Faktor. Lärm kann ernsthafte Krankheiten hervorrufen – aber laute Musik, harte techno-Rhythmen bei Clubbesuchen und Wall-Of-Sound-Konzerte gehören zu den kulturellen Erlebniswelten vieler junger Menschen. Lärm, laute Geräusche, niederfrequente Bässe und repetetive Rhythmen haben das Potenzial, Nachbarschaften und Stadtgesellschaften zu spalten.

Um dieses Problem anzugehen, hat sich in Berlin seit 2018 das „Schallschutzprogramm für Clubs“ etabliert, dass seit drei Jahren mit Hilfe öffentlicher Gelder den nachbarschaftlichen Frieden und die Harmonie zwischen den Stakeholdern der Nacht wiederherstellt. Es wird in Schallschutzmaßnahmen auf dem Gelände bzw. den Flächen der Clubs investiert, um die oft nicht zum Zwecke des Clubbetriebs gebauten Hallen, Fabrikgebäude und urbanen Partyzonen geräuschfest zu machen.

Die rasante Entwicklung unserer Innenstädte, eine heranrückende Wohnbebauung, das Schließen von Baulücken und Brachen sowie der Abriss und Neubau in vielen Nachbarschaften generieren neue, oft problematische städtebauliche Situationen für bestehende Clubs. In der Vergangenheit hieß das allzuoft, dass die nächtlichen Kultureinrichtungen den Kürzeren zogen und schließen bzw. an die urbane Peripherie ausweichen mussten. Doch technische Entwicklungen der letzten Jahre sowie eine veränderte Wahrnehmung von Clubs als Kulturstätten ermöglichen eine intelligentere Art der Problemlösung…

Das Berliner Schallschutzprogramm stand folgerichtig auch schon Pate für andere Städte wie Köln oder Bremen, aus anderen bundesdeutschen Großstädten werden  Forderungen nach vergleichbaren Lösungen lauter. Bevor nun jede Metropole für sich um dieselben Parameter bemüht, die gleichen Diskussionen führt und am Ende um ähnliche Lösungen ringt, soll hier die Möglichkeit eines bundesweiten Schallschutzprogramms diskutiert werden. Welche Hürden gibt es auf dem Weg zu einer flächendeckenden Problemlösung? Und sind die für die sich verdichtenden Innenstädte gefundenen Lösungen vielleicht auch Anstoß für eine parallele Entwicklung für Festival-Sites im ländlichen Raum?

Moderation: Thore Debor

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